
«Wilde Weide» heißt unser Weg, der Natur wieder mehr Raum zu geben. Weniger lenken, mehr zulassen. Weniger Ordnung, mehr Vielfalt. Wiesen dürfen ungleichmäßig wachsen, Waldränder sich mit dem Offenland verzahnen, feuchte Senken feucht und wilde Ecken wild bleiben. Landschaft muss nicht überall gemacht werden. Manchmal darf sie einfach geschehen.
Die Auswahl unserer Tiere folgt dem «Wilde Weide»-Prinzip. Auf Gut Oberfrauenau sind Salers-Rinder, Wasserbüffel, Yaks und Pferde gemeinsam Teil des Konzepts. Keine Exotik um der Exotik willen, sondern funktionale Vielfalt.
Französinnen, fast durch und durch. Unsere Salers stammen ursprünglich aus dem rauen Zentralmassiv – entsprechend wenig beeindrucken sie Wind, Wetter oder magere Kost. Sie sind trittsicher, großartige Mütter und beim Grasen ziemlich wählerisch. Gefressen wird nicht einfach alles, was vor die rosa Nase kommt. Gut für die Weide, gut für die Vielfalt. Und ziemlich genau das, was wir für unsere «Wilde Weide» gesucht haben.
Frisur sitzt. Bei jedem Wetter. Yaks sind schließlich nicht zimperlich. Ihre Heimat sind die Hochlagen Asiens, entsprechend gelassen nehmen sie Kälte, Wind und karge Kost. Sie knabbern weg, was andere links liegen lassen. Und während sie so vor sich hinzotteln, machen sie die Weide vielfältiger. Yaks sind ziemlich genügsam. Ziemlich eigenwillig. Ziemlich perfekt für uns.
Schlammschlacht ausdrücklich erwünscht. Unsere Wasserbüffel suhlen, stapfen und matschen, was das Zeug hält. Zurück bleiben Tümpel, Senken und offene Stellen – und damit genau das, worüber sich Gelbbauchunke, Insekten, Vögel und wasserliebende Pflanzen freuen. Sieht ein bisschen nach Chaos aus. Ist aber Naturschutz. Nur eben mit Hörnern.
Pferde sind wählerisch. Hier ein Happen, dort lieber nicht. Was ihnen schmeckt, wird kurz gehalten, anderes darf wachsen. Dazu ein paar Huftritte – und schon sieht die Weide nicht mehr aus wie aus dem Bilderbuch. Gut so. Denn die «Wilde Weide» lebt nicht von Ordnung, sondern von Unterschieden.
Määäähhh statt Mäher: Wo unsere Merinos, Coburger Füchse und Dorper anrücken, kann der Rasenmäher einpacken. Im Gutsobstgarten zum Beispiel, den unsere bunte Herde raspelkurz hält – ohne Benzin, ohne Strom und garantiert ohne Mähroboter-App. Dafür mit vier Hufen, gesundem Appetit und einer klaren Meinung dazu, was wegkann. Nebenbei wird gedüngt – und ordentlich gemeckert.

Wir denken das Land als Ganzes: Pflanzen, Boden, Wasser und Tiere greifen ineinander, verändern und stärken sich gegenseitig. Was entsteht, folgt keinem fertigen Bild. Und genau darin liegt die Idee der «Wilden Weide»: der Natur nicht vorzuschreiben, wie sie sein soll – sondern ihr zuzutrauen, was sie sein kann.