
Ende März wird es vielleicht noch kühl sein. Eine Kühle, die sich gut eignet für die Passion Christi, für das Innehalten und Hinhören in den Wochen vor Ostern. Am Sonntag, 22. März, findet um 18 Uhr in der Schlosskapelle auf Gut Oberfrauenau eine Andacht mit der »Bayrischen Passion« von Alfred Binder statt. Der Pfarrer aus Künzing hat dazu die Passionsgeschichte nach dem Evangelisten Matthäus in die Mundart übertragen und mit alter und neuer Volksmusik versehen.
Binder selbst wird lesen. So, wie uns der Schnabel gewachsen ist: erdig, direkt, trotzig manchmal. Dabei ist seine »Bayrische Passion« kein folkloristischer Kunstgriff, sondern eine Rückübersetzung: zurück zu dem, was verständlich ist – und vielleicht sogar näher an dem, was gemeint war. Petra und Kersten Wagner sowie Ingrid und Claus Kuhn begleiten den Text mit Gitarre und Gesang.
Alfred Binder leitet die Pfarreiengemeinschaft Künzing mit Wallerdorf und Forsthart, zelebriert Gottesdienste, tauft, tröstet, begräbt. Gleichzeitig ist er Seelsorger der bayerischen Böllerschützen und der »Western-Pfarrer« von Pullman City in Eging am See. Ein Geistlicher zwischen Schießpulver, Saloons und Staub, zwischen Show und Sehnsucht. Das passt auch überraschend gut zur Passion. Auch sie ist eine Geschichte voller Widersprüche: Gewalt und Hingabe, Verrat und Treue, Öffentlichkeit und Einsamkeit.
Binder hat Kriminalromane geschrieben, er komponiert, denkt Kirche immer auch als kulturellen Raum – und zeigt, dass Glaube nicht nur eine Sache des Glaubens ist, sondern auch der Sprache. Und der Orte. Eine Schlosskapelle. Eine Westernstadt. Ein Dorfpfarrer, der von Leid spricht, ohne es zu verkleiden.
Am Ende dieser Andacht wird nichts aufgelöst sein. Die Passion endet nicht mit Trost, sondern mit Jesus im Grab – und bestenfalls mit dem Gefühl, dass diese alte Geschichte immer noch in unsere Gegenwart passt. Wenn sie so erzählt wird, dass man sie versteht und ihr nicht ausweichen kann.
Karten (20 Euro) gibt’s unter
event@poschinger.de
oder im Gutshofladen in Oberfrauenau. Die Anzahl der Sitzplätze in der Schlosskapelle ist auf 70 begrenzt.