
Der Schriftsteller Christoph Nußbaumeder schickt seine Figuren gerne weit weg. Nach Amerika zum Beispiel. Oder nach Eisenstein – wobei man sich, je nachdem, wo man herkommt, darüber streiten kann, was weiter entfernt liegt.
Nußbaumeder jedenfalls weiß, wie das ist mit dem Weggehen und der Herkunft. 1978 in Eggenfelden geboren und in Reisbach aufgewachsen, lebt er heute in Erfurt und Berlin. Er schreibt Theaterstücke, die an renommierten deutschsprachigen Bühnen gespielt werden, und Romane, in denen die Welt ziemlich groß werden kann – während Niederbayern trotzdem nie ganz verschwindet.
Am 26. September kommt er zur Lesung mit Literaturgespräch in die Schlosskapelle auf Gut Oberfrauenau. Im Gepäck: zwei Bücher, die unterschiedlicher kaum sein könnten und doch beide Spuren in die Region legen.
Das sind zunächst Die Unverhofften (Suhrkamp), Nußbaumeders 2020 erschienener Debütroman, eine Familiensage über vier Generationen, über Aufstieg und Fall, Liebe und Verrat, Arbeit, Geld und die erstaunliche menschliche Begabung, einander das Leben schwer zu machen. Der Roman wurde von der Presse als „bayerische Buddenbrooks“ gefeiert und mit dem Grimmelshausen-Preis ausgezeichnet. Sein Schauplatz heißt Eisenstein und liegt im Bayerischen Wald – und wer aus der Gegend kommt, wird manches darin erkennen. Vielleicht nicht eins zu eins, aber so ist das mit der Literatur: Sie nimmt sich, was sie braucht, und macht etwas Eigenes draus.
In seinem aktuellen Roman Das Herz von allem (Rowohlt) geht Christoph Nußbaumeder noch sehr viel weiter fort: Im Jahr 1796 kommt ein deutscher Auswanderer nach Amerika und schließt sich einer Expedition ins noch weitgehend unbekannte Landesinnere an. Es geht um ein Mammut, um Aufklärung und Größenwahn, um Glauben, Gier und die Frage, was Menschen zu finden hoffen, wenn sie in die Fremde aufbrechen. Und wieder reist Niederbayern mit: Der Protagonist ist ein Priester aus Irlbach, Namen wie Kloster Metten und Kloster Niederaltaich tauchen auf. Die Heimat, so scheint es, ist hartnäckig. Man kann sie verlassen, aber offenbar nicht ohne Weiteres abschütteln.
In der Schlosskapelle wird Christoph Nußbaumeder aus beiden Romanen lesen. Alexandra von Poschinger spricht mit ihm über seine Bücher und die Geschichten dahinter: über Herkunft und Ferne, über Glauben und Zweifel, über historische Stoffe, erfundene Orte und die Frage, was aus dem eigenen Leben ins Schreiben gerät – absichtlich oder auch nicht.
Die Lesung am 26. September beginnt um 19 Uhr; Karten (13 Euro) gibt’s im Gutshofladen oder unter event@poschinger.de. Die Anzahl der Sitzplätze in der Schlosskapelle ist auf 70 begrenzt.